Mangelernährung - Was ist das?

Foto Mangelernährung

Der Begriff krankheitsassoziierte Mangelernährung umfasst die klinisch relevanten Mangelzustände, die entweder durch verminderte Nahrungsaufnahme, Malabsorption und Maldigestion, eine erhöhte Proteinkatabolie oder Inflammation entstehen (ätiologiebasierte Definition nach Jensen und ASPEN).

Nach den Leitlinien der DGEM zur „Terminologie in der klinischen Ernährung“ wird eine krankheitsassoziierte Mangelernährung durch drei klinisch einfach zu bestimmende Kriterien bestimmt:

  1. Body-Mass-Index (BMI) unter 18,5kg/m² ODER
  2. ungewollter Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent in den letzten drei bis sechs Monaten ODER
  3. BMI unter 20kg/m² und unbeabsichtigter Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in den letzten drei bis sechs Monaten.

Für Erwachsene ab 65 Jahren werden leicht abweichende Kriterien für BMI und Gewichtsverlust diskutiert (BMI unter 20kg/m2, ungewollter Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in drei Monaten).
Eine Nüchternperiode von länger als sieben Tagen gilt als Risiko für eine Entwicklung einer Mangelernährung.
Je nach Ätiologie wird die Mangelernährung in verschiedene Formen (chronische oder akutkrankheitsspezifische Mangelernährung oder krankheitsspezifische Unterernährung) unterteilt.

Prävalenz und Bedeutung

Eine krankheitsassoziierte Mangelernährung ist ein häufig auftretendes Phänomen bei Patienten mit chronischen oder konsumierenden Erkrankungen. Die Prävalenz der Mangelernährung bei Aufnahme ins Krankenhaus beträgt zwischen 20 und 60 Prozent in Abhängigkeit von den verwendeten Definitionen und Kriterien sowie den untersuchten Populationen.

Mangelernährung gilt als unabhängiger Risikofaktor für das klinische Outcome von Patienten, da sie mit einer höheren Morbidität und Mortalität sowohl bei akuten Erkrankungen, nach chirurgischem Trauma als auch im spontanen Krankheitsverlauf chronischer Erkrankungen assoziiert ist. Die krankheitsassoziierte Mangelernährung bedingt ebenfalls eine verzögerte Rekonvaleszenz und eine längere Krankenhausverweildauer im Krankenhaus und ist durch die deutlich erhöhten Behandlungskosten somit auch ein relevanter Kostenfaktor.

Das Phänomen der krankheitsassoziierten Mangelernährung und die vielfältigen medizinischen, sozialen und gesundheitsökonomischen Folgen sind in den letzten 30 Jahren wissenschaftlich untersucht und belegt worden, sodass auch die EU Maßnahmen gegen die hohe Prävalenz der Mangelernährung im Krankenhaus fordert. Zahlreiche Interventionsstudien belegen außerdem die medizinische und ökonomische Effizienz gezielter Ernährungstherapien. Trotzdem findet das Problem im klinischen Alltag immer noch unzureichend Aufmerksamkeit, was unter anderem dazu führt, dass der Ernährungszustand von Patienten sich während einer Klinikbehandlung häufig weiter verschlechtert.

Aus der klinischen Relevanz der Mangelernährung folgt jedoch, dass die Erhebung des Ernährungsstatus Bestandteil jeder ärztlichen Untersuchung sein sollte, damit drohende oder manifeste Ernährungsdefizite rechtzeitig erkannt und zur Verbesserung der Prognose frühzeitig behandelt werden können.