Prävalenz und Bedeutung einer Mangelernährung

Eine krankheitsassoziierte Mangelernährung ist ein häufig auftretendes Phänomen bei Patienten mit chronischen oder konsumierenden Erkrankungen. Die Prävalenz der Mangelernährung bei Aufnahme ins Krankenhaus beträgt zwischen 20 und 60 % in Abhängigkeit von den verwendeten Definitionen und diagnostischen Kriterien sowie den untersuchten Populationen [9].

Eine Mangelernährung gilt als unabhängiger Risikofaktor für das klinische Outcome von Patienten. Sie ist assoziiert mit:

  • höherer Morbidität und Mortalität bei akuten Erkrankungen, nach chirurgischen Traumata oder im spontanen Krankheitsverlauf chronischer Erkrankungen
  • Verzögerter Rekonvaleszenz
  • längerer Krankenhausverweildauer
  • deutlich erhöhten klinischen Behandlungskosten [10]

Das Phänomen der krankheitsassoziierten Mangelernährung und die vielfältigen medizinischen, sozialen und gesundheitsökonomischen Folgen sind in den letzten 30 Jahren wissenschaftlich untersucht und belegt worden, sodass auch die EU Maßnahmen gegen die hohe Prävalenz der Mangelernährung im Krankenhaus fordert. Zahlreiche Interventionsstudien belegen außerdem die medizinische und ökonomische Effizienz gezielter Ernährungstherapien. Trotzdem findet das Problem im klinischen Alltag immer noch unzureichend Aufmerksamkeit, was unter anderem dazu führt, dass der Ernährungszustand von Patienten sich während einer Klinikbehandlung häufig weiter verschlechtert.

Aus der klinischen Relevanz der Mangelernährung folgt jedoch, dass die Erhebung des Ernährungsstatus Bestandteil jeder ärztlichen Untersuchung sein sollte. Nur dann können drohende oder manifeste Ernährungsdefizite rechtzeitig erkannt und zur Verbesserung der Prognose frühzeitig behandelt werden.