Entlassmanagement – Qualitative Versorgung der Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt

Foto Krankenhaus

Qualitative Ernährungstherapie, welche im Krankenhaus begonnen wurde, endet häufig mit der Entlassung der Patienten. Entlassungen geschehen für die Patienten häufig unerwartet, sodass die Patienten und deren Angehörige sich nicht ausreichend auf die Rückkehr nach Hause vorbereiten können [1]. Dies führt häufig dazu, dass Patienten für ihre ambulant verordneten Therapien, wie beispielsweise Chemotherapie, nicht kräftig genug sind und innerhalb kürzester Zeit rehospitalisiert werden. Im SGB V §39 Absatz 1a ist verankert, dass Krankenhäuser im Zuge des Entlassmanagements dazu verpflichtet sind, einen nahtlosen Übergang in die ambulante Versorgung zu gewährleisten. Dazu wurde das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz 2015 reformiert und erlaubt seither den stationären Ärzt_innen Rezepte für die ersten sieben Tage nach dem Krankenhausaufenthalt auszustellen. Somit sollen die Versorgungslücken, beispielsweise bei Entlassungen am Wochenende, geschlossen werden. Ab dem 01.10.2017 wurde der Rahmenvertrag für das Entlassmanagement verbindlich. Mit Hilfe von frühzeitigen Assessments sollen die Bedarfe der Patienten ermittelt werden und ein lückenloser Übergang in die anstehende Versorgung sichergestellt werden. [2] Doch für die Umsetzung fehlen den Krankenhäusern noch immer die nötigen Ressourcen [3]. Für den Bereich Ernährung bietet die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin seit Oktober 2019 unterstützende Dokumente auf ihrer Online-Plattform an, welche die Weiterleitung in die Häuslichkeit mit Ernährung vereinfachen und standardisieren soll.       

Verordnung von Zusatznahrung

Nachdem alle Patienten während ihres Klinikaufenthaltes auf Mangelernährung gescreent worden sind und solche mit einem auffälligen Assessment eine Ernährungstherapie erhalten haben, benötigen einige dieser Patienten häufig noch eine medizinische Ernährungstherapie über den stationären Aufenthalt hinaus. Wenn Patienten eine medizinische Ernährungstherapie benötigen, müssen diese zunächst umfangreich über die Möglichkeiten und Ablauf der Verordnung aufgeklärt werden.  Stimmen die Patienten der Überleitung mit Zusatznahrung in die Häuslichkeit zu, sollten sie zuerst eine Einwilligung zur Datenübermittlung unterzeichnen. Denn für die Verordnung mit einer medizinischen Ernährungstherapie muss die Klinik mit dem/der niedergelassenen Arzt_in, einen Pflegedienst und häufig einem Homecare-Unternehmen Kontakt aufnehmen. Homecare-Unternehmen sollen als Bindeglied  zwischen Patient, Klinik, Hausarzt und Pflegedienst dienen und sollten deshalb sorgfältig ausgewählt werden. Die Patienten können sich das Homecare-Unternehmen auswählen und sollten deshalb über die Möglichkeiten der verschiedenen Anbieter informiert werden. Häufig bitten die Patienten um eine Empfehlung vom behandelnden Arzt/Ärztin oder von der Ernährungsfachkraft. Um geeignete Homecare-Unternehmen vorab zu identifizieren, kann die Abfrage von Qualitätskriterien vorteilhaft sein.

Als nächstes muss der Kontakt zum rezeptierenden ambulanten Arzt, Homecare-Unternehmen und Pflegedienst aufgenommen werden.

Für die Übermittlung der Patientendaten sollte ein standardisiertes Patientenstammblatt genutzt werden, welches an alle Beteiligten auf verschlüsseltem Weg zu versenden ist.  Sprechen Sie für die Verschlüsselungsmöglichkeiten ihren IT-Beauftragten an. Sind die Informationen versandt, kann bereits vor der Entlassung alles organisiert und vorbereitet werden.

Probleme

Wichtig ist die Rückmeldung des Homecare-Unternehmens an die Klinik, ob die Weiterleitung reibungslos funktioniert hat oder ob es Probleme gab. Dies sollte in internen Statistiken erfasst werden und somit ebenfalls der Qualitätssicherung dienen. Häufig bestehen gerade bei der Verordnung mit Trinknahrung bei den niedergelassenen Ärzten_innen Bedenken bezüglich Regressansprüchen. Hierfür hat die DGEM ebenfalls ausführliche Dokumente erstellt, um den genauen und sicheren Ablauf einer Verordnung für die niedergelassenen Ärzte sicher zu stellen.

Verordnung von ambulanter Ernährungsberatung

Neben der Verordnung mit einer medizinischen Ernährungstherapie benötigen die Patienten häufig noch kompetente Ansprechpartner für eine Ernährungsberatung, welche die Kliniken aus personeller Ressourcenknappheit häufig nicht leisten können. Hierfür existieren Ernährungsfachkräfte im ambulanten Sektor, bei denen die Kosten der Ernährungsberatung zum Teil von den Krankenkassen übernommen werden. Deswegen sollte schon vom Krankenhaus die ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung ausgefüllt werden. Mit dieser wenden sich die Patienten an die Ernährungsfachkraft, welche daraufhin einen Kostenvoranschlag erstellt und der Patient diesen, gemeinsam mit der ärztlichen Notwendigkeitsbescheinigung, bei der Krankenkasse einreicht. Diese gibt dann Bescheid, zu welchem  Anteil die Kosten übernommen werden.

Die ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung kann auch vom niedergelassenen Arzt ausgefüllt werden.

Literatur
[1] Deimel, Dominik; Müller, Marie-Luise (2012). Entlassmanagement: Vernetztes Handeln durch Patientenkoordination. Stuttgart: Thieme 2012.
[3] Bundesministerium für Gesundheit. Glossar: Entlassmanagement. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/e... (Aktualisierungsdatum:  14.06.2018 – Überprüfungsdatum: 12.06.2019)
[2] aerzteblatt.de .Politik: Entlassmanagement bereitet Krankenhäusern Probleme. https://.aerzteblatt.de/nachrichten/88826/Entlassmanagement-bereitet-Kra.... Überprüft am 11.06.2019

 

Alle Dokumente finden sie hier.